Grundsatz
Eine feste Kabinentiefe gibt es nicht für jede Einbausituation
Die nutzbare Tiefe einer WC-Kabine entsteht aus mehreren Größen: Position und Ausladung des WC-Beckens, Bewegungsfläche vor dem WC, Türbreite, Öffnungsrichtung der Tür sowie der verbleibende Verkehrsraum vor der Kabinenfront. Deshalb ist eine einzelne Zahl als allgemeingültige „Kabinentiefe“ für jede WC-Anlage zu kurz gegriffen.
Für Arbeitsstätten ist die ASR A4.1 „Sanitärräume“ eine zentrale Planungsgrundlage. Sie verlangt Bewegungsflächen vor Toiletten und Urinalen und stellt Mindestmaße für unterschiedliche Grundrisssituationen dar. Die Öffnungsrichtung der Tür ist ausdrücklich in die Planung einzubeziehen.
Wichtig für die Planung: Die ASR A4.1 zeigt sowohl nach außen als auch nach innen öffnende WC-Kabinentüren. Sie formuliert keinen pauschalen Satz „WC-Türen müssen nach außen öffnen“. Sie weist jedoch darauf hin, dass der Türanschlag möglichst nach außen erfolgen sollte, damit Personen im Notfall leichter geborgen werden können.
ASR A4.1
Tür nach außen oder nach innen: Die Raumgeometrie ändert sich deutlich
Die Abbildungen der ASR machen den Unterschied anschaulich. Bei einer einbündigen Toilettenanlage ist bei nach außen öffnenden Türen in der dargestellten Planung ein Maß von 1.550 mm zwischen Kabinenfront und gegenüberliegender Wand vorgesehen. Bei nach innen öffnenden Türen zeigt die entsprechende Abbildung 1.150 mm. Bei der Variante mit Urinalen werden 2.050 mm beziehungsweise 1.650 mm dargestellt.
Bei nach innen öffnenden Türen ist innerhalb der Toilettenzelle zusätzlich der Türschwenkbereich zu berücksichtigen. Die ASR-Abbildung zeigt zwischen Vorderkante des WC-Beckens und dem Schwenkradius der Tür 300 mm. Diese Darstellung verdeutlicht, warum Türanschlag, Kabinentiefe und Verkehrsfläche nicht getrennt voneinander geplant werden können.
Aus der Praxis
Nach innen öffnende Türen: nicht nur die Kabinentiefe, sondern auch die nutzbare Breite entscheidet
Praxis-Hinweis von TOWE: Bei nach innen öffnenden Türen muss der Nutzer dem schließenden Türblatt innerhalb der Kabine ausweichen können. Das kann – je nach Grundriss – im Bereich zwischen Türblatt und WC oder seitlich neben dem WC geschehen. Deshalb kann auch eine relativ kurze Kabine gut nutzbar sein, wenn sie ausreichend breit ist und neben dem WC noch genügend freie Bewegungsfläche vorhanden ist.
In der Praxis zählt nicht allein das Tiefenmaß. Stehen beispielsweise neben dem WC noch etwa 30 cm bis zur Mittelwand zur Verfügung, kann dieser seitliche Freiraum das Eintreten und Schließen der Tür deutlich erleichtern. Entscheidend ist immer die gesamte Geometrie aus WC-Position, Türbreite, Schwenkbereich, Kabinenbreite und Kabinentiefe.
Ein einfacher Praxisgrundsatz: Ein Nutzer sollte zum Schließen der WC-Tür nicht mit einem Bein über das Toilettenbecken steigen oder sich zwischen Türblatt und Sanitärobjekten hindurchquetschen müssen. Die Tür muss sich aus einer normalen Körperhaltung heraus schließen lassen.
Auch Einbauten innerhalb der Kabine können eine ansonsten brauchbare Planung deutlich verschlechtern. Ein selbst erlebtes Beispiel war eine sehr kleine WC-Kabine auf einer Autobahnraststätte. Auf der Schlossseite der Tür war an der Raumwand ein großer Toilettenpapier-Rollenspender montiert. Die Kabine wäre trotz ihrer geringen Abmessungen grundsätzlich nutzbar gewesen. Der Rollenspender belegte jedoch genau den Bereich, in den der Nutzer beim Schließen der nach innen öffnenden Tür hätte ausweichen müssen. Türblatt und Spender ließen zusammen praktisch keinen Bewegungsraum mehr; die Tür konnte nur mit starkem Ausweichen und Drücken geschlossen werden. Wäre der Spender auf der gegenüberliegenden Kabinenseite montiert gewesen, wäre die Nutzbarkeit wesentlich besser gewesen. War die Position des Großrollenspenders bereits in der Planung so vorgegeben, liegt darin ein grundsätzlicher Planungsfehler. War seine Position nicht planerisch festgelegt, ist die ungünstige Anordnung als Montageproblem zu bewerten. Das Beispiel zeigt, dass bei kleinen WC-Kabinen nicht nur die reinen Kabinenmaße, sondern auch die genaue Position von Zubehör und Einbauten berücksichtigt werden muss.
Der Vorteil einer nach innen öffnenden Tür bleibt, dass das Türblatt beim Öffnen nicht in den Verkehrsraum vor der Kabinenfront schwenkt. Gerade in schmalen Toilettenräumen kann das praktisch relevant sein. Diese Praxishinweise ergänzen die regelwerksbezogene Planung; sie ersetzen weder die vorgeschriebenen Bewegungsflächen noch die Prüfung der für das konkrete Objekt geltenden Anforderungen.
Aus der Praxis
Nach außen öffnende Türen: Rettungsvorteil, aber Türflügel im Verkehrsweg berücksichtigen
Praxis-Hinweis von TOWE: Viele Toilettenräume sind keine großzügigen, breiten Räume, sondern relativ schmale Grundrisse. Öffnet eine Kabinentür nach außen, schwenkt sie in den Bereich vor der Kabinenfront. Läuft gleichzeitig eine Person durch diesen Bereich und ein anderer Nutzer öffnet zügig die Tür, kann sich daraus eine Konfliktsituation ergeben. Ob dies im konkreten Raum relevant ist, hängt von Breite, Türposition, Nutzerfrequenz und Verkehrsführung ab.
Dieser Praxishinweis ersetzt keine arbeitsschutzrechtliche Bewertung und steht nicht im Widerspruch zur ASR-Empfehlung. Er beschreibt einen zusätzlichen Planungsaspekt: Neben der Bergungsmöglichkeit im Notfall muss auch die tatsächliche Verkehrs- und Nutzungssituation betrachtet werden.
Bestand
Altbauten und enge Bestandsräume
In Bestandsgebäuden sind ideale Grundrisse nicht immer vorhanden. Toilettenanlagen müssen häufig in vorhandene Raumzuschnitte, Installationen und Wandstellungen integriert werden. Für Arbeitsstätten enthält die ASR A4.1 für bestehende Toilettenzellen bis zu einem wesentlichen Umbau begrenzte Erleichterungen bei einzelnen Abständen. Das ist jedoch keine pauschale Freigabe für beliebig kleine Kabinen.
Bei einer Sanierung oder Neuplanung sollte deshalb zuerst geklärt werden, welche Regeln für das konkrete Gebäude und die Nutzung gelten. Anschließend lassen sich Türanschlag, Kabinentiefe und Kabinenaufteilung auf den vorhandenen Raum abstimmen.
Planungscheck
Diese Punkte sollten vor der Festlegung der Kabinentiefe geprüft werden
WC-Position
Ausladung des Beckens und Abstand zur Rückwand.
Türanschlag
Öffnung nach innen oder außen und tatsächlicher Schwenkbereich.
Bewegungsfläche
Freie Nutzungsfläche vor dem WC entsprechend der anzuwendenden Regeln.
Verkehrsraum
Breite zwischen Kabinenfront, gegenüberliegender Wand, Waschtischen oder Urinalen.
Nutzerkomfort
Ausreichend Platz zum Eintreten, Drehen und Schließen der Tür.
Bestandssituation
Vorhandene Wände, Schächte, Installationen und mögliche Sondermaße.