Rechtsstand: Die ASR A4.1 „Sanitärräume“ ist laut BAuA in der Ausgabe September 2013 veröffentlicht und zuletzt 2022 geändert. Die BAuA führt die aktuellen ASR zentral. Vor einer konkreten Planung sollte stets der aktuelle Regelstand geprüft werden.
Gibt es eine DIN-Norm für WC-Trennwände?
Eine eigenständige, aktuell gültige DIN-Norm, die WC- oder Sanitärtrennwandanlagen als komplettes Produkt normiert, gibt es nicht. Historisch wurden Anforderungen an Toilettenräume unter anderem in der inzwischen zurückgezogenen Normenreihe DIN 18228 behandelt.
Heute ergeben sich die Anforderungen an Sanitärräume und WC-Kabinen je nach Einsatz aus mehreren Regelwerken. Für Arbeitsstätten ist insbesondere die ASR A4.1 „Sanitärräume“ relevant. Je nach Gebäudeart und Nutzung können außerdem unter anderem die VDI-6000-Reihe, Vorgaben zur Barrierefreiheit sowie weitere bau- und nutzungsspezifische Regelwerke zu berücksichtigen sein.
Praxis: Bei einer WC-Trennwandanlage kann daher nicht pauschal auf eine einzelne „WC-Trennwand-DIN“ verwiesen werden. Entscheidend ist, welche Anforderungen für den konkreten Einsatzort gelten.
Welche Bedeutung hat die VDI 6000 für WC- und Sanitärtrennwände?
Die VDI-6000-Reihe ist keine Produktnorm für WC- oder Sanitärtrennwände. Sie enthält Planungs- und Ausstattungshinweise für Sanitärräume. Je nach Nutzung des Gebäudes können daraus Anforderungen an Raumaufteilung, Bewegungsflächen, Ausstattung und Nutzerführung entstehen, die bei der Planung einer Trennwandanlage berücksichtigt werden sollten.
Für TOWE sind insbesondere die allgemeinen Grundlagen der Reihe sowie die Blätter zu Arbeitsstätten, Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen und öffentlichen Sanitärräumen relevant. Für Arbeitsstätten sind zusätzlich die Arbeitsstättenverordnung und die ASR A4.1 zu beachten. Für Kindertagesstätten und Kindergärten kommen außerdem die einschlägigen DGUV-Regelwerke hinzu.
Einordnung: VDI-Richtlinien sind keine Gesetze und ersetzen keine gesetzlichen oder behördlichen Vorgaben. Sie können aber als anerkannte Regeln der Technik für Planung und Ausführung von Bedeutung sein und in Ausschreibungen oder vertraglichen Anforderungen ausdrücklich genannt werden.
Wie viele Toiletten und WC-Kabinen sind in Arbeitsstätten erforderlich?
Die ASR A4.1 unterscheidet zwischen niedriger und hoher Gleichzeitigkeit der Nutzung. Niedrige Gleichzeitigkeit ist beispielsweise bei typischer Büronutzung anzunehmen; hohe Gleichzeitigkeit kann bei Arbeitsabläufen mit gemeinsamen Pausen auftreten. Für männliche Beschäftigte werden Toiletten und Urinale gemeinsam gezählt; mindestens ein Drittel der vorgesehenen Plätze ist als Toilette auszuführen.
Ab 250 Beschäftigten gelten die in der ASR angegebenen Fortschreibungen. Für männliche Beschäftigte wird bei kleinen Gruppen zusätzlich ein Urinal empfohlen.
Welche Höhe und Bodenfreiheit müssen Toilettentrennwände haben?
Nicht raumhohe Trennwände und Türen von Toilettenzellen müssen nach ASR A4.1 mindestens 1,90 m hoch sein. Schließt die Trennwand oder Tür nicht mit dem Fußboden ab, muss der Abstand zwischen Boden und Unterkante 10 bis 15 cm betragen. Die ESTEX-Standardausführung mit 15 cm Bodenfreiheit liegt damit in diesem Bereich.
Welche Kabinentiefe ist bei einer WC-Kabine sinnvoll?
Eine einzige pauschale Kabinentiefe passt nicht zu jeder Einbausituation. Maßgeblich sind unter anderem die Ausladung des WC-Beckens, die Bewegungsfläche, die Türbreite und der Türanschlag sowie der Verkehrsraum vor der Kabinenfront. Die ASR A4.1 stellt deshalb Mindestmaße für verschiedene Grundrisssituationen dar und verlangt, dass die Öffnungsrichtung der Tür berücksichtigt wird.
Aus der Praxis: Bei nach innen öffnenden Türen muss die Kabine tief genug sein, damit der Nutzer an der geöffneten Tür vorbeitreten und sie schließen kann. Bei nach außen öffnenden Türen bleibt innen mehr nutzbarer Bewegungsraum, das Türblatt schwenkt jedoch in den Bereich vor der Kabinenfront. In schmalen Toilettenräumen muss deshalb auch geprüft werden, ob sich öffnende Türen und durchgehender Personenverkehr gegenseitig behindern können.
Die ausführliche Betrachtung mit ASR-Abbildungen, Bestandssituationen und Planungscheck finden Sie auf unserer Fachseite.
Soll eine WC-Kabinentür nach innen oder nach außen öffnen?
Die ASR A4.1 berücksichtigt ausdrücklich beide Varianten und zeigt Grundrisse sowohl mit nach außen als auch mit nach innen öffnenden Türen. Zusätzlich enthält sie den Hinweis, dass der Türanschlag möglichst nach außen erfolgen sollte, damit Personen im Notfall leichter geborgen werden können. Daraus folgt kein pauschaler Satz, dass jede WC-Kabinentür zwingend nach außen öffnen muss.
Bei nach innen öffnenden Türen muss innerhalb der Kabine genügend Platz für Türschwenk und Nutzer verbleiben. Bei nach außen öffnenden Türen muss der Schwenkbereich vor der Kabinenfront in die Verkehrs- und Bewegungsfläche einbezogen werden. Gerade bei schmalen Toilettenräumen ist die tatsächliche Grundrisssituation deshalb entscheidend.
Wann ist bei einem Toilettenraum ein Vorraum erforderlich?
Nach ASR A4.1 ist ein Vorraum erforderlich, wenn der Toilettenraum mehr als eine Toilettenzelle hat oder wenn ein unmittelbarer Zugang aus bestimmten Arbeits-, Pausen-, Bereitschafts-, Wasch-, Umkleide- oder Erste-Hilfe-Räumen möglich ist. Im Vorraum darf sich kein Urinal befinden.
Wie weit darf der Weg zur Toilette in einer Arbeitsstätte sein?
Die ASR A4.1 nennt als Sollwert eine Weglänge von höchstens 50 m; 100 m dürfen nicht überschritten werden. Toilettenräume müssen sich im gleichen Gebäude befinden und dürfen von ständigen Arbeitsplätzen grundsätzlich nicht mehr als eine Etage entfernt sein.
Sind Schamwände zwischen Urinalen vorgeschrieben?
Urinale müssen so angeordnet oder gestaltet sein, dass eine Einsicht von außen nicht möglich ist. Die ASR A4.1 empfiehlt ausdrücklich, zwischen Urinalen eine Schamwand anzubringen. Schamwände – auch Urinaltrennwände genannt – dienen dabei nicht nur dem Sichtschutz, sondern auch als hygienischer Spritzschutz zwischen benachbarten Urinalen. Je nach Bauart der Urinale, Abstand der Nutzungsplätze und Nutzungsverhalten können Urinspritzer ohne Trennelement in den Bereich des benachbarten Nutzers gelangen und dort an Haut oder Kleidung haften. Eine ausreichend dimensionierte Urinaltrennwand reduziert diese direkte Übertragung und verbessert damit die hygienische Trennung der einzelnen Nutzungsplätze.
Praxisbeobachtung: Die Spritzschutzfunktion einer Urinaltrennwand ist im Alltag durchaus unmittelbar wahrnehmbar. Ohne Trennelement können Spritzer vom benachbarten Urinal bis zum daneben stehenden Nutzer gelangen. Beim Tragen kurzer Hosen ist dies an den Beinen deutlich spürbar; bei langen Hosen bleibt das unbemerkt, obwohl die Spritzer an der Kleidung haften. Diese Beobachtung aus eigener praktischer Erfahrung verdeutlicht, warum eine ausreichende Trennung der Nutzungsplätze nicht nur dem Sichtschutz, sondern auch der Hygiene dient.
Welche Ausstattung gehört in eine Toilettenzelle?
Nach ASR A4.1 muss jede Toilettenzelle beziehungsweise ein Toilettenraum mit nur einer Toilette von innen abschließbar sein. Zusätzlich sind Kleiderhaken, Papierhalter und Toilettenbürste vorgesehen. Für Hygienebehälter gelten ergänzende Anforderungen abhängig von der Nutzung.
Welche Regeln gelten für Fingerklemmschutz in Kindergarten und Kita?
§ 13 Abs. 3 der DGUV Vorschrift 82 „Kindertageseinrichtungen“ verlangt, Scherstellen an Nebenschließkanten von Türen zu vermeiden. Die DGUV Regel 102-602 konkretisiert die Umsetzung und fordert für WC-Kabinentüren Klemmschutz an beiden Schließkanten. Für U3-Bereiche enthält die DGUV Information 202-093 zusätzliche Hinweise, unter anderem zu Öffnungsspalten und zur DIN EN 16654.
Wichtig: Die rechtliche Einordnung der Quellen ist unterschiedlich. Die beim zuständigen Unfallversicherungsträger geltende Unfallverhütungsvorschrift ist maßgeblich; DGUV-Regeln und -Informationen erläutern und konkretisieren die sichere Umsetzung.
Trockenraum, Feuchtraum oder Nassraum – welches Trennwandsystem passt?
Entscheidend ist die tatsächliche Feuchtebelastung. Für trockene und feuchte Innenbereiche ohne dauerhaften direkten Wasserkontakt ist die ESTEX Serie TF aus 25 mm melaminharzbeschichteter Vollspanplatte vorgesehen. Für Nass- und Duschbereiche mit direktem Wasserkontakt ist die Serie N aus 13 mm HPL-Vollkernplatten die geeignete Systemfamilie.
Liefert TOWE WC- oder Sanitärtrennwände aus Glas?
Nein. Glastrennwände gehören nicht zum TOWE-Programm. Glas ist bei der Fertigung und Montage von Trennwandanlagen deutlich schwerer zu handhaben und zu bearbeiten als HPL und zugleich anfälliger für Bruch.
Nach unserer Einschätzung ergibt sich für typische WC-, Sanitär- und Nassraumanwendungen durch Glas gegenüber HPL weder ein hygienischer noch ein wirtschaftlicher Vorteil. Für wasserfeste Trennwandanlagen setzen wir deshalb auf HPL-Vollkernplatten.
HPL oder Spanplatte – worin liegt der Unterschied?
Eine melaminharzbeschichtete Vollspanplatte besitzt einen Holzwerkstoffkern und eine widerstandsfähige Oberfläche. Eine HPL-Vollkernplatte besteht dagegen durchgehend aus verpresstem Schichtmaterial und ist wasserfest. Deshalb wird HPL-Vollkern typischerweise in Nass- und Duschbereichen eingesetzt.
Welches Befestigungsmaterial wird mitgeliefert?
ESTEX liefert Befestigungsmaterial für normales tragendes Mauerwerk und Bodenverschraubungen. Hohlraumdübel, Klebesysteme und andere Sonderbefestigungen werden nicht automatisch mitgeliefert. Bei Trockenbauwänden, besonderen Wandaufbauten oder anderen Sonderuntergründen muss das für den konkreten Baugrund geeignete Befestigungssystem bauseits ausgewählt werden.
Welche Regeln gelten für barrierefreie Sanitärbereiche?
Für barrierefreie Arbeitsstätten ist insbesondere die ASR V3a.2 relevant. Für öffentlich zugängliche Gebäude beschreibt DIN 18040-1 Anforderungen und Schutzziele des barrierefreien Bauens, darunter auch Sanitärräume. Welche Anforderungen im konkreten Projekt gelten, hängt von Gebäudeart, Nutzung, Landesbaurecht und Planung ab.
Was ist der Unterschied zwischen Schamwand, Sichtschutzwand und Duschtrennwand?
Eine Schamwand dient vor allem dem unmittelbaren Sichtschutz, etwa zwischen Urinalen. Sichtschutzwand ist der weiter gefasste Begriff für optische Abschirmungen. Eine Duschtrennwand muss zusätzlich für die Feuchte- und Wasserbelastung des Duschbereichs geeignet sein; bei ESTEX wird dafür die wasserfeste Serie N eingesetzt.
Welche Maße werden für ein Angebot benötigt?
Für ein belastbares Angebot werden die Gesamtbreite der Anlage, die Tiefe der Kabinen beziehungsweise Trennwände, die gewünschte Höhe, Türpositionen und Türanschläge sowie vorhandene Raumwände und Sondergeometrien benötigt. Eine Handskizze mit Maßen reicht häufig als Grundlage für die Angebotserstellung.
Müssen ESTEX-Trennwandanlagen regelmäßig gewartet werden?
Nein. ESTEX-Trennwandanlagen sind wartungsfrei. Regelmäßige Wartungsintervalle sind nicht erforderlich. Übliche Reinigung und gelegentliche Sichtkontrollen sind ausreichend. Beschädigte oder verschlissene Einzelteile können bei Bedarf ersetzt werden.